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Ein innovatives Konzept zur Behandlung von Patienten mit schwerer COPD

Eine medizintechnische Innovation aus Norddeutschland beschert der Lippenbremse als Atemtechnik bei COPD neue Aufmerksamkeit. Patienten mit nicht-invasiver Beatmung könnten in ganz Deutschland davon profitieren.

Symptome der Chronisch Obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) sind im fortgeschrittenen Stadium Luftnot, Husten mit Auswurf und häufig pulmonale Kachexie. Subjektiv sind Patienten und Angehörige jedoch insbesondere durch die abnehmende körperliche Leistungsfähigkeit beeinträchtigt.

Pathophysiologisch finden sich in den betroffenen Bronchien und Bronchiolen eine entzündlich bedingte Schleimhautschwellung, vermehrte Sekretproduktion und Kollapsneigung. Der Druck im Brustkorb beim Ausatmen führt zu einer weiteren Kompression der kleinen Atemwege mit der Folge einer Überblähung der Lungenbläschen ("trapped air") . Das hierbei beobachtete Auto-PEEP-Phänomen führt zu einem in der frühen Einatmungsphase weiterhin bestehendem Ausatem-Luftstrom. Vom Patienten wird dies als sehr anstrengender Versuch der Einatmung wahrgenommen und häufig als "Aufgepumpt-Sein" beschrieben. Die Atemtechnik der Lippenbremse führt zu einem dynamisch erhöhten Druck beim Ausatmen mit nachfolgender Eröffnung kollabierter Bronchialwege und führt so zur Entblähung.

Bei stark geschädigter Lunge bei COPD führt die high-intensity nicht-invasive Beatmungstherapie (NIV) zur Absenkung des PaCO2 mit nachgewiesenem Überlebensvorteil. Allerdings empfinden viele Patienten hohe Beatmungsdrücke als Belastung. Auffällig ist hierbei ein morgendliches Deventilationssyndrom, mit extremer Luftnot beim Abnehmen der Maske.

Am Forschungszentrum Borstel wurde ein Beatmungsgerät entwickelt (Vigaro, FLO Medizintechnik), das die Atemtechnik der Lippenbremse simuliert. Dr. Stephan Rüller, Arzt an der dortigen Medizinischen Klinik und Erfinder des Geräts: "Im Gegensatz zur konventionellen Beatmung führt ein initial steigender Gegendruck in der frühen Ausatmung zur Eröffnung der kleinen Atemwege und deutlicher Entblähung. Eine gute Beatmung ist daher mit viel geringerem Druck möglich." Viele der gut 80 Patienten, die das Gerät verordnet bekommen haben, berichten über eine deutliche Zunahme der Leistungsfähigkeit und der Lebensqualität.

Das Deutsche Zentrum für Lungenforschung (DZL) führt an fünf Lungenkliniken unter Federführung des Forschungszentrums Borstel eine  klinische Studie durch, um das innovative Behandlungskonzept im direkten Vergleich mit einer herkömmlichen Beatmung zu prüfen. Die seit 2018 teilnehmenden Prüfzentren in Hannover, Heidelberg, Großhansdorf und Borstel werden 2019 um das Klinikum Dortmund erweitert. Alle Zentren suchen Patienten und Patientinnen mit schwerer COPD, etablierter Beatmungstherapie (Einatmungsdruck >20 mbar) und eingeschränkter Leistungsfähigkeit (6-Minuten Gehtest <300 Meter). Einzelne Erfolgsfälle dieser Therapie haben bereits größere Medienaufmerksamkeit generiert, jedoch wird sich erst in einigen Jahren zeigen, ob die neue Behandlungsmethode nachhaltige Vorteile mit sich bringt.

Weitere Informationen für Patienten zur Beatmungsstudie erhalten Sie von Herrn PD Dr. med. Christian Herzmann und Herrn Dr. med. Stefan Rüller an der Medizinische Klinik des Forschungszentrums Borstel, Leibniz Lungenzentrum, Tel. 04537/188-8080, oder im Internet unter lippenbremse.fz-borstel.de.

 

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